Kairo, Ägypten

Am geographischen und sozialen Rand der ägyptischen Hauptstadt, in den Müllhalden von Kairo-Moytamadeia, läuft eines der ältesten Förderprojekte der Hilfsaktion. Inmitten der großflächigen Müllberge, die sich hier außerhalb jeder staatlichen Kontrolle mit zunehmender Dynamik ausbreiten, leben schätzungsweise über 6.000 Menschen, deren wesentliche Erwerbsquelle im Sammeln und Sortieren von Abfällen besteht. Notdürftige Wellblechhütten, mangelhafte Hygiene, vergiftetes Grundwasser, andauernder Verwesungs- und Fäulnisgeruch und häufige Krankheiten bilden das soziale Ambiente zahlreicher Familien, die in der Hoffnung auf Arbeit und Lohnerwerb in die Stadt gezogen sind.

Seit mehr als 40 Jahren teilt Maria Grabis das Leben der Müllsammler. Ihre Initiative, die bereits 1974 in der Hilfsaktion einen Förderer fand, bestand neben der seelsorglichen Arbeit zunächst in der Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und im Bau kleiner, befestigter Häuser, von denen mittlerweile über siebzig realisiert werden konnten. Da nur eine qualifizierende Ausbildung die Menschen aus der Müllhalde herausführt, gründete Maria Grabis 1989, teilweise aus Mitteln der Hilfsaktion, eine – mittlerweile mehrfach erweiterte – Privatschule. An dieser, inmitten der Deponie gelegenen Peace School unterrichten derzeit 16 Lehrer über 400 Schüler in zwölf Schulklassen. Das „Curriculum“ der Schüler gliedert sich in zwei Jahre Kindergarten, sechs Jahre Grundschule und drei Jahre Aufbauschule. Um die soziale Stellung junger Frauen und Mädchen zu verbessern, wurde außerdem eine Nähschule eingerichtet.

Die Projekte in Moytamadeia sind in Form einer Kooperative nach ägyptischem Recht organisiert, die sich selbst verwaltet. Nach wie vor begegnet diese Form subsidiär gestalteter Entwicklungstätigkeit vielfältigen Schwierigkeiten: neben der staatlichen Bürokratie stellen der unablässige Preisauftrieb von Lebensmitteln, Grund und Boden sowie die gesundheitliche Verfassung vieler Kinder ständig neue Herausforderung dar. Als Außenprojekt unterhält die Kooperative seit einigen Jahren das Gesundheitscamp Ras Sudr am Sinai, das allerdings von der Hilfsaktion keine eigenen Mittel erhält. Hier können Familien, die sonst keine Möglichkeit hätten, die Müllhalde je zu verlassen, im Heilklima des Roten Meeres Erholung und Abwechslung finden.

Für die Verwendung der Mittel zeichnen Maria Grabis und Pfr. Joachim Schroedel, Leiter der Deutschsprachigen Gemeinde in Kairo, verantwortlich.